Am 6. Januar 2026 veröffentlichte die vietnamesische Regierung ihren Wirtschaftsbericht für das Jahr 2025 und meldete ein Rekordwachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 8,02 %. Damit zeichnete sie das Bild eines Landes, das trotz globaler Turbulenzen kraftvoll aufsteigt.

Internationale Beobachter und Wirtschaftsexperten stellen jedoch ernsthafte Fragen nach der Substanz dieser Zahl, insbesondere im Vergleich mit Daten, die kaum zu manipulieren sind – etwa dem Stromverbrauch und den realen Wechselkursen.
Die Skepsis beginnt mit einem grundlegenden Widerspruch im Verhältnis zwischen Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch. Nach gängiger Erfahrung müsste der Stromverbrauch in Vietnam um etwa 1,5 % bis 2 % steigen, um ein BIP-Wachstum von 1 % zu erzeugen.
Im Jahr 2025 jedoch wurde ein sprunghafter Anstieg des BIP um 8,02 % gemeldet, während der Stromverbrauch nicht entsprechend zunahm. Dies führt zu der Einschätzung, dass das gemeldete Wachstum nicht aus realer Produktion stammt, sondern möglicherweise künstlich aufgebläht wurde – durch Kreditexpansion, Immobilienspekulation sowie durch staatliche Infrastrukturinvestitionen, die bislang keine Erträge abwerfen.
Darüber hinaus wird das Wirtschaftswachstum durch Wechselkursverzerrungen weiter verfälscht. Der Staat verwendet für die Umrechnung des BIP einen offiziellen Wechselkurs von 25.122 VND pro US-Dollar.
Unternehmen hingegen müssen US-Dollar zu einem Kurs von etwa 26.378 VND erwerben, während Privatpersonen auf dem Schwarzmarkt sogar bis zu 26.950 VND pro US-Dollar zahlen – eine Abweichung von über 7 %.
Die Berechnung auf Basis eines künstlich niedrigeren Wechselkurses lässt die Größe der Wirtschaft auf dem Papier größer erscheinen, verschleiert jedoch die Abwertung des vietnamesischen Dong sowie den zunehmenden Inflationsdruck, der schwer auf den Schultern der Verbraucher lastet.
Der Großteil der Handelsüberschüsse und der industriellen Wertschöpfung verbleibt weiterhin bei ausländischen Direktinvestitionsunternehmen (FDI). Gleichzeitig stehen inländische Unternehmen vor der Gefahr eines „klinischen Todes“, da steigende Importkosten infolge der schwachen Landeswährung und eine geringe Binnennachfrage ihre Existenz bedrohen.
Somit ist das gemeldete BIP-Wachstum von 8,02 % nichts weiter als eine glänzende Fassade für eine vietnamesische Wirtschaft, die im Inneren weitgehend „ausgehöhlt“ ist.
Hồng Lĩnh – Thoibao.de










